Groß-Glockner Resort – Der Freeride Spot in Osttirol

Viel Schnee, wenige Skifahrer und abwechslungsreiches, anspruchsvolles Terrain sind die Faktoren, die uns immer wieder dazu antreiben, unbekannte Reviere zu erforschen und auf ihre Freeride-Tauglichkeit zu testen. Wenn Skigebiete dann auch noch ganz neu entstehen, können wir unsere Ungeduld meist gar nicht mehr unter Kontrolle halten. Dann heißt es ab ins Auto und los. In der letzten Saison brachte uns diese innere Unruhe in die Osttiroler Gemeinden Kals und Matrei, ins neue Groß-Glockner-Resort.

 

Es ist Anfang Januar. Früh um sieben werfen wir in Kitzbühel unsere Ski in den Kofferraum und brechen auf in Richtung Süden. Gerade mal 80 Minuten dauert die Fahrt über Pass Thurn und durch den Felbertauern Tunnel hindurch ins Kalser Tal. Die unglaublichen Neuschneemengen, die Kärnten und Osttirol in den letzten Wochen teilweise lahm gelegt haben, verwandeln das versteckte Hochtal in eine idyllisch märchenhafte Winterlandschaft.

 

In der kleinen gemütlichen Gemeinde auf der Sonnenseite des Großglockners scheinen die Uhren vor etlichen Jahren stehen geblieben zu sein. Hektik und Liftschlangen an der Gondelstation werden hier höchstens als unbekannte Fremdwörter tituliert. Da außer uns kein einziger Skifahrer mit breiten Latten in Sicht ist, haben auch wir keine Eile. In aller Ruhe packen wir unsere Rucksäcke, überprüfen die Piepser und ziehen los.

 

Mit 110 Pistenkilometern bildet das Groß-Glockner-Resort seit dieser Saison das größte Skigebiet Osttirols. Die neue Gondelbahn auf den 2600 Meter hohen Cimaross ist das Herzstück der neuen Skischaukel. Bei guten Sichtverhältnissen kann man von der Bergstation aus freie Sicht auf rund 60 Dreitausender genießen, was uns an diesem Vormittag leider verwehrt bleibt. Aufgrund der Wettersituation entscheiden wir uns, zunächst einmal die Matreier Seite zu erkunden.

 

Während eines kurzen Warm-up-Runs auf markierter Piste bekommen wir schon ein Gefühl dafür, was das Skigebiet Goldried so zu bieten hat. Bei der zweiten Abfahrt nehmen wir eine Route unterhalb der neuen Sechser Sesselbahn Cimaross. Der fluffig spritzende Powder bringt uns von einer Sekunde zur anderen so richtig in Wallung. Mit Vollspeed geht es hinein in den lichten Lärchenwald. Die paradiesisch weiten Abstände der Bäume erinnern uns sofort an die Lärchenwälder Kanadas oder an die französischen Seealpen.

 

Nun wollen wir aber auch den Rest des Matreier Skigebietes kennenlernen. Von der Bergstation der Goldried Gondel fahren wir linker Hand die weiten Schneisen hinab Richtung Tal. Auch wenn diese Hänge nur wenige Meter neben der Piste liegen, so ist es doch nur eine Hand voll Skifahrer, die sich dort hinein wagt. Das Gros der ohnehin überschaubaren Wintersportler bevorzugt es, auf den Pisten zu bleiben. Umso besser für uns.

 

Als wir nach der 1500 Höhenmeter zählenden Talabfahrt wieder oben am Cimaross ankommen, sagt ein kurzer Blickkontakt, dass wir alle mit dem gleichen Gedanken spielen: Ski an den Rucksack und hinauf auf den 2702 Meter hohen Gorner, dessen Grat die beiden Gemeinden voneinander trennt.

 

Rund 25 Minuten dauert der Aufstieg. Später in der Saison wäre sicherlich die Nordostflanke auf Kalser Seite ein richtiges Vergnügen. Im Moment reicht die Schneedecke noch nicht aus, diese Steilflanke zu befahren. Daher suchen wir uns beim Aufstieg bereits unsere Lines auf der weiten Westseite. Am Gipfel lassen wir während einer kurzen Rast die Blicke ins Iseltal, hinüber ins Virgental und in Richtung Großvenediger schweifen.

 

Mit dem uns so vertrauten Klack-Klack schnappen unsere Bindungen zu. Während Jessica sich über die epische Breite des Hanges freut, hat es mir eine Rinne weiter links angetan. Mit zwei kleineren Sprüngen starte ich den Run und lass es einfach laufen. Herrlich!

 

Dass kulinarische Gaumenschmäuse nach wie vor in Osttirol einen hohen Stellenwert genießen, beweist die gut ausgeprägte gemütliche Hüttenkultur. Der frische hausgemachte Apfelstrudel auf der Bergrettungshütte Matrei würde vermutlich in jedem TV-Kochduell Bestnoten erhalten. Der Preis von drei Euro inklusive Vanillesoße ist absolut repräsentativ für das exzellente Preis-Leistungs-Verhältnis in dieser abgelegenen Ecke Österreichs.

 

Nach einem gelungen Skitag schlendern wir noch ein wenig durch den Ortsteil Kals-Großdorf und beziehen schließlich Quartier im Landhaus Taurer.

 

Gestärkt durch ein ausgiebiges Frühstücksbuffet mit heimischen Spezialitäten nehmen wir am nächsten Morgen das Kalser Skigebiet ins Visier. Dieses teilt sich wiederum auf in die Hänge unterhalb von Cimaross und Gorner und in das ursprüngliche Kaler Skigebiet an der Blauspitze.

 

Wegen der erneuten suboptimalen Sichtverhältnisse lassen wir die Kamera getrost im Auto. Skifahren ist angesagt. Die Hänge unterhalb des Cimaross stellen ein nahezu perfektes Übungsgelände für Freeride-Einsteiger dar. Zwischen den Pisten gelegen, werden diese Hänge recht häufig befahren, sind also in aller Regel weniger anfällig für Lawinenabgänge.

 

Nach insgesamt drei Runs wechseln wir hinüber an die Blauspitze. Die dichten Wälder unmittelbar neben den Pisten ergeben ein vollkommen anderes Bild, was nicht heißen soll, dass man hier keinen Spaß haben könnte. Abgesägte Baumstümpfe in den zahlreichen Waldschneisen machen dieses Teilgebiet zu einem Riesenspielplatz für alle Pillow-Line-Fans. Wie kleine Kinder freuen wir uns, die bauschigen Schneekissen auf den Baumstümpfen abzufahren und einen Meter tiefer in fluffigen Pulvermassen wieder zu landen.

 

Doch nur die Freeride-Qualitäten des neuen Groß-Glockner-Resorts herauszuheben, würde dem Kalsertal nicht gerecht werden. Bis heute gilt Kals insbesondere unter Skitourengehern und Alpinisten als erste Adresse. Wer gerne den höchsten Berg Österreichs mit den Ski erklimmen möchte, ist in Kals bestens aufgehoben.

 

Bei einem abschließenden Kaffee im Cafe Klause ziehen wir unser Resumée. Viel Schnee, wenige Skifahrer, abwechslungsreiches anspruchsvolles Terrain und auch noch ein spitzen Preis-Leistungs-Verhältnis. Unsere Grundfaktoren für einen echten Geheimtipp wurden vom Groß-Glockner-Resort mehr als erfüllt.

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